Soziale Plastik - Findart - Objektfotografie

Eine Ausstellung in der Sibilla-Egen-Schulgalerie von Hans A. Graef

Im Rahmen des ersten Klassenpfegschaftsabends im Schuljahr 2014/15 - am 20. Oktober 2014 - fand die Vernissage der neuen Ausstellung statt. Diesmal präsentierte Hans A. Graef, ehemaliger Lehrer an der Schule, eigene Werke. 
U. a. gibt es die Serie "Algerhythmen", Soziale Plastik "Lampedusa" und "Baumwunden" von der Weilerwiese zu bewundern. 

Diese Ausstellung beginnt auf der Schulwiese vor der Ghanahütte mit der Installation "Lampedusa" - ein goldenes Boot verlässt Afrika. Eine Soziale Plastik zeigt Kunst im sozialen Kontext: die Frage an Europa nach Humanität und Menschenrechten stellt sich hier. Fast alle meine Arbeiten beziehen sich auf gesellschaftliche Prozesse (Konsumgesellschaft, Natureingriffe, Wegwerfprodukte) und greifen auch materiell Objekte auf, die ich verforme oder in ästhetischer Weise betrachte.

Die Soziale Plastik, auch genannt die soziale Skulptur, ist eine spezifische Definition eines erweiterten Kunstbegriffs des Künstlers  Joseph Beuys. Er nutzte die Begriffe, um damit seine Vorstellung einer gesellschafts-verändernden Kunst zu erläutern. Im ausdrücklichen Gegensatz zu einem formal-ästhetisch begründeten Verständnis schließt das von Beuys propagierte Kunstkonzept dasjenige menschliche Handeln mit ein, das auf eine Strukturierung und Formung der Gesellschaft ausgerichtet ist. Die Theorie der "Sozialen Plastik" besagt, jeder Mensch könne durch kreatives Handeln zum Wohl der Gemeinschaft beitragen und dadurch plastizierend auf die Gesellschaft einwirken. Aus dieser Vorstellung entstand die viel zitierte These der "Sozialen Plastik": "Jeder Mensch ist ein Künstler", die Joseph Beuys erstmals 1967 im Rahmen seiner politischen Aktivitäten äußerte. Dem "Kunst um ihrer selbst willen" stellt  Beuys seine Vorstellung gegenüber, dass jeder daran teilnehmen kann, das Leben insbesondere in Politik und Kultur und Wirtschaft sozial und kreativ zu gestalten. Die Schule als Soziale Gestalt ist ein idealer Ort für die Soziale Skulptur. Die "Ordnung der Dinge" im "Zwischenlager Konsummüll" ist eine optische Materialplastik aus Weggeworfenem und Gefundenem in einem Lidlaldiregal nach Farben sortiert: Junkart. Achtlose Fundstücke werden zu Bildern zusammengesetzt. Das Material hat seine eigene Sprache, wird zur spirituellen Materie, die vor dem Müll gerettet wurde. Ebenso oben zufällige Objekte als Fotos auf Leinwand. Im Mittelpunkt steht die Wahrnehmung - auch bei  Betrachtung natürlicher Formen, die ich "gefunden" habe: Findart. Die amorphen Algerhythmen von der Westküste Islands sind ein Beispiel, die Natur schafft kunstvolle Augenblicke. Ebenso das Schwemmholz mit Raben am Kocher oder die Baumwunden von der Haller Weilerwiese.
Ich suche grafische Formen im Alltag. Jeder soll und kann also ein Künstler sein - wenn er kreativ wird.
Hans A. Graef
Das Ghanaboot neben der Ghana-Hütte
Das Ghanaboot neben der Ghana-Hütte gehört auch zu den auffälligsten Objekten, die Graef sammelt.
Algerhythmen aus Island 2011
Aus der Serie Algerhythmen stammt dieses im Jahre 2011 in Island geschossene Foto.


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Stand: 2014-12-22
Letzter Bearbeiter: GiJ
Text: Graef
Datei: schule/2014-15/ausstellung_graef/
ausstellung_graef.htm